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Stefan Scheurer (Foto: SWR3)

Wer kein Whatsapp verwenden möchte, landet schnell bei Telegram. Nicht zuletzt der Wendler und die Corona-Kritiker nutzen den Messenger gerne – und haben praktisch keinen Datenschutz mehr.

Warum man Telegram nicht verwenden sollte

Schlicht, weil alle privaten Chats mitgelesen werden können und intime Inhalte in sehr dubiosen Ecken der Welt landen können. Telegram ist der unsicherste Messenger, der derzeit herumgereicht wird, Sicherheit wird nur vorgegaukelt. Ursprünglich wurde Telegram vom russischen Facebook-Konkurrenten entwickelt, später ausgelagert, um das Image loszuwerden, der russische Staat hätte Zugriff. Aber bis heute ist unklar, wer die Telegram-Server wo betreibt. Sicher ist, dass alle Chats und selbst Tastatureingaben auf Telegram-Servern landen und ausgewertet werden können, wie ein Test von Heise-Security belegt.

Telegram erschwert Nutzern Verschlüsselung

Das ist besonders deshalb erwähnenswert, da Telegram theoretisch verschlüsselte Chats anbieten kann. Telegram nennt diese dann „geheime Chats“. Diese muss der Nutzer aber immer über Umwege aktiv anschalten, außerdem sind diese „geheimen Chats“ nur sehr eingeschränkt nutzbar. Der Verdacht liegt nahe: Verschlüsselte Chats sollen schlicht keinen Spaß machen. In der IT-Welt gibts dafür nur eine Erklärung: Die unbekannten Betreiber der Telegram-Server wollen alles mitlesen können.

Das führt im Ergebnis dazu, dass Telegram fast ausschließlich Chats in der Cloud liegen hat, die zugänglich sind für alle, die die Server übernehmen können – ob mit oder ohne Erlaubnis von Telegram. Ein Beispiel zeigt das Problem: Wer beim Wendler in der großen Gruppe ist, macht das aus Sicht eines Telegram-Servers nie anonym – und das gilt im Umkehrschluss auch für alle anderen normalen Telegram-Chats dieses Nutzers. An dieser Stelle darf jeder selbst entscheiden, ob er Telegram vertraut.

Verschlüsselung bei Telegram oft gar nicht aktivierbar

Grundsätzlich nicht Ende-zu-Ende-verschlüsselt sind außerdem alle Zusatzfunktionen von Telegram: Bots, Geschäftsanwendungen oder Gruppen. Ein Beispiel: Wer uns eine Whatsapp-Nachricht ins Studio an 07221/2011 schickt, der hat eine sichere Ende-zu-Ende-Kommunikation. Würden wir diesen Dienst mit Telegram anbieten, könnten wir nicht einmal dann eine Verschlüsselung anbieten, wenn wir es wollten. 

Wer Telegram auf dem Handy nutzt, holt sich einen echten Datenschutz-Albtraum aufs Handy – komplett ohne Not, denn es gibt Alternativen. Daher kann unser Rat nur heißen: Whatsapp-Alternative Telegram auf keinen Fall verwenden.

Ist Whatsapp sicher?

Die meisten Deutschen sind glücklich mit Whatsapp. Aber spätestens die angekündigte Änderung zum Datenschutz Anfang 2021 macht uns wieder mal ein mulmiges Gefühl. Was greift Facebook wirklich ab? Und funktioniert die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zu jeder Zeit? Whatsapp nutzt die sehr sichere Verschlüsselung, die auch unser App-Tipp Signal verwendet. Alle Tests zeigen, dass Chats nur auf dem jeweiligen Handy liegen. Da der amerikanische Staat aber per Gesetz Hintertürchen einfordern kann, muss klar sein, dass Whatsapp nicht auf Dauer sicher sein kann.

Wie sicher ist die Whatsapp-Weboberfläche?

Sicher. Wer die Whatsapp-Weboberfläche nutzt, bekommt auch nur zu sehen, was auf dem Handy vorhanden ist (Telegram zieht die Chats vom Server, über dessen Sicherheit nichts bekannt ist). Als sicher gilt ebenfalls, dass ein Ausspionieren anderer Daten von Whatsapp und das darauffolgende Teilen mit anderen Diensten des Facebook-Imperiums im Geltungsbereich der EU juristisch verhindert sein soll. Die Neuregelung des Datenschutzes kann dann zumindest theoretisch keine Auswirkungen haben – nur überprüfen kann man nicht, wie Facebook Whatsapp-Daten innerhalb der eigenen Dienste austauscht. 

Facebook darf Whatsapp-Daten mit Instagram verbinden. Theoretisch.

Und der neue Passus macht einem klar, dass Whatsapp schon formal sehr unsympathische Seiten hat: „Als Teil der Facebook-Unternehmen erhält Whatsapp Informationen von anderen Facebook-Unternehmen und teilt auch Informationen mit anderen Facebook-Unternehmen.“ Geteilt werden könnte damit beispielsweise das Telefonierverhalten, die Nutzungsdauer, die Kontaktdaten usw. 

Auf kurz oder lang sollte sich wirklich jeder einen anderen Messenger suchen, aber welchen? Die einzigen ernst zu nehmenden Alternativen sind Signal und Threema.

Der beste Messenger heißt Signal

Der Punktsieg für Komfort geht trotzdem noch knapp an Whatsapp: einfach, zuverlässig, alle deine Freunde sind da. Wenn da nur das Facebook-Imperium mit all seinen Datenschutz-Problemen nicht wäre. Hier kommt Signal ins Spiel: Ein top Messenger, sicher, ohne Stolperfallen, für 0 Euro. Wie kann das sicher sein? Da Signal als Open-Source programmiert wird, können Experten bewerten, wie sicher Signal wirklich ist. Und in diesem Punkt ist Signal über jeden Zweifel erhaben. Elon Musk empfiehlt deshalb den Messenger und auch Edward Snowden erklärt, warum er Signal seine Daten anvertraut:

Hier ist ein Grund: Ich nutze es jeden Tag und ich bin noch nicht tot.

Edward Snowden am 07.01.2021 über Twitter

Der Signal-Verschlüsselungsstandard ist der selbe, den auch Whatsapp nutzt, nur eben ohne Datenschutz-Probleme. Die Finanzierung wird von einer Stiftung und Spenden sichergestellt – die Verbreitung bei Deutschen ist gut, besser als bei dem ebenfalls sehr guten Threema.

Messenger Threema sehr gut – aber noch zu wenig Nutzer

Threema, geboren in der Schweiz, hat inzwischen ebenfalls einem großen Open-Source-Anteil. Threema verfolgte als erster Messenger den Ansatz, so sicher wie möglich zu sein, aber das kostet eben bis heute auch Geld: derzeit 4 Euro. Threema ist jeden Cent wert, ein sicherer, guter Messenger, der alle Sicherheitsstandards erfüllt, aber Threema ist vor allem aufgrund der Einmal-Kosten kaum verbreitet – und was willst du bei einem Messenger, bei dem deine Freunde nicht sind? 10 mal weniger Downloads als Signal kann Threema vorweisen. Trotzdem gehört er in die Riege der besten Messenger, wenn es um Privatsphäre geht.

Threema im App Store; Bild: Apple, das Apple-Logo, Apple Watch und das iPhone sind Marken von Apple Inc., die in den USA und anderen Ländern eingetragen sind. App Store ist eine Dienstleistungsmarke der Apple Inc., die in den USA und anderen Ländern eingetragen ist. Threema im Play Store; Bild: Google Play und das Google Play-Logo sind Marken von Google LLC.

Unser Tipp: Erstmal Whatsapp UND Signal nutzen

Ja, alle deine Freunde nutzen Whatsapp. Das bedeutet ganz praktisch, du wirst so ohne weiteres nicht darauf verzichten können. Und viele deiner Freunde werden nicht akzeptieren, dass sie Whatsapp aufgeben sollen wegen „dem bisschen Datenschutz“. Aber hey, wir brauchen mehr als nur WhatsApp. Signal als Messenger boomt bei Deutschen. Die zusätzliche App kostet praktisch nicht mehr Akku, und du wirst überrascht sein, wie viele deiner Freunde schon da sind.

Signal im App Store; Bild: Apple, das Apple-Logo, Apple Watch und das iPhone sind Marken von Apple Inc., die in den USA und anderen Ländern eingetragen sind. App Store ist eine Dienstleistungsmarke der Apple Inc., die in den USA und anderen Ländern eingetragen ist. Signal im Play Store; Bild: Google Play und das Google Play-Logo sind Marken von Google LLC.

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In einer früheren Version dieses Artikels stand, dass die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung geheimer Chats von Experten kritisch bewertet wird, da unklar sei, was auf Telegram-Servern passiert. Das haben wir präzisiert: Richtig ist, dass dieser Schluss zustande kommt, weil das MTProto 2.0 als proprietäres Protokoll in der Kritik steht. Richtig bleibt auch, dass praktisch jede Kommunikation bei Telegram auf dem Server selbst für Telegram-Administratoren einsehbar gespeichert wird, da sichere Chats für Nutzerinnen und Nutzer gut versteckt bleiben und in vielen Fällen gar nicht aktiviert werden können.

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